Technische Dokumentation und Industrie 4.0

Interview TD
Foto: tekom

Alexander Hoffmann, Head of Technical Documentation bei der Xpublisher GmbH, diskutierte mit Experten aus der Industrie auf der tekom Frühjahrstagung 2015 in Darmstadt die Technische Dokumentation und Industrie 4.0. Nach der Diskussion konnte er wichtige Fragen über die Zukunft der Technischen Dokumentation beantworten.

Was erwartet die Technische Dokumentation im Zeitalter von Industrie 4.0?

Schnellere Produktlebenszyklen, komplexere Anlagen und eine Vielzahl an Varianten stellen die industrielle Fertigung und auch die Technische Dokumentation vor neue Herausforderungen. In der smarten Fabrik kommunizieren immer mehr Maschinen untereinander: Werkstücke werden automatisch erkannt und Drohnen übernehmen die Inventur der Lagerbestände. Sensorik und effektives Informationsmanagement sind ein Teil der Voraussetzungen für die Industrie 4.0. Eine optimale Gelegenheit für Technische Redakteure, die sich als Informationsmanager beweisen möchten. Doch auch Menschen bleiben eine der Hauptzielgruppen der Technischen Redakteure. In immer schnelleren Wartungszyklen benötigen Service-Techniker im Schadensfall die richtigen Informationen zur richtigen Zeit, um den Schaden an der Maschine beheben zu können. Beide Szenarien fordern eine modularisierte und strukturierte Technische Dokumentation.

Mit welchen Problemen hat die Technische Dokumentation heute zu kämpfen?

Technische Redakteure sind in Unternehmen häufig unbekannt oder werden nicht geschätzt. Sie gelten als "Kopierbienen" oder "Formatierungskünstler". Überspitzt gesagt, lautet die Meinung von vielen Ingenieuren: "Ist man ein schlechter Konstrukteur oder Entwickler, wird man Technischer Redakteur."

Laut den aktuellen Branchenkennzahlen des Fachverbands für Technische Kommunikation dokumentieren 30 Prozent aller Unternehmen noch unstrukturiert. Akute Zeitfresser wie z. B. Lieferantendokumentation, die häufig manuell abgetippt werden müssen, oder rechtssichere Dokumente, bei einer sich ständig wechselnden Landschaft an Normen und Richtlinien stehen im Vordergrund von Technischen Redaktionen. Viele Abteilungsleiter haben daher wenig Zeit, sich um Innovationen bzw. sich mit Industrie 4.0 zu beschäftigen.

Abteilungsübergreifendes Informationsmanagement ist selten vorhanden. Abteilungen arbeiten an eigenen Informations-Silos und erkennen nicht den Mehrwert der Zusammenarbeit. Auf dem Barcamp der tekom Frühjahrstagung bezeichnet ein erfahrener Redaktionsleiter das Phänomen als "Traum 4.0" oder wenn man das Thema im Unternehmen voranbringen möchte als "wie mache ich mir Feinde 4.0".

Wie kann die Technische Dokumentation die Herausforderungen der Industrie 4.0 meistern?

Produktvarianten setzen sich häufig aus unterschiedlichen Informationsmodulen zusammen. Der Ansatz des Single-Source-Publishings gewährleistet eine Wiederverwendbarkeit der Informationen. Technische Redaktionen müssen in ihrer Abteilung gewährleisten, dass sie die richtigen Informationen zur richtigen Zeit für Mensch oder Maschine zur Verfügung stellen können, denn die Industrie 4.0 fordert adressierbare Informationen. Falls das Management die Vorteile des Informationsmanagements erkennt, sollte es im gesamten Unternehmen eingeführt werden. Kurzfristig sicher keine leichte Aufgabe, aber der Aufwand rentiert sich langfristig allemal. Industrie 4.0 ist also eine Chance ein unternehmensweites Informationsmanagement einzuführen.

Können IT-Lösungen die Technische Dokumentation dabei unterstützen?

Jain. Die beste IT-Lösung ist nutzlos, wenn sie falsch genutzt wird. Redakteure sollten sich im Vorfeld darüber im Klaren sein, welche Anforderungen sie an ihre IT-Systeme stellen und abwägen, ob sich der Einsatz lohnt.

Sind Tools zur XML-Strukturierung wie Xeditor eine Lösung?

Xeditor zeichnet sich vor allem durch seine Flexibilität und intuitiver Oberfläche aus. So dass auch Mitarbeiter ihr Wissen ohne XML-Know-how strukturiert archivieren können. Egal ob in der Fertigungshalle oder im Büro. XML ist eine der Schlüsseltechnologien der Industrie 4.0. Ohne strukturierte Informationen keine Intelligenz. Ohne Intelligenz keine MachineToMachine-Kommunikation.